Donnerstag, 4. Oktober 2018

tief im Wald und mitten im Markt...


4.10.18

Es regnet ein bisschen. Das ist eine gute Zeit zum Trödeln. Erst um 12 ziehen wir los und tauschen unsere Gutscheine gegen JapanRail- Pässe.
Danach hat jeder sein eigenes Tagesprogramm. Christiane will vor allem in ein bestimmtes Museum und ich zu einem Tempel im Wald.
Der Bus braucht ziemlich lange bis er in der Nähe des Shimogama Schreins hält. Er liegt in der Gabelung zweier Flüsse. Von da aus ist es nur noch ein kurzer Weg.








In diesen Fässern wir Sake gelagert.



Diese Sakefässer sind in Reisstroh eingepackt und mit Kordel umwickelt.



Der Schrein gilt als Nationalschatz, wurde zwischen 800 und 1200 errichtet, ist einer der ältesten Plätze von Kyoto und seit 1994 zusammen mit einigen dazugehörigen Schreinen Weltkulturerbe. Hier wird gerne für den Frieden gebetet. Man spaziert durch einen alten Wald zwischen kleinen Bachläufen. Die Luft ist erfrischend, und da kaum Besucher hier sind, ist es auch angenehm ruhig. Den Baum neben dem Tori hat der letzte Taifun gefällt.




Heute wird die Ruhe an manche Stellen durch da Geräusch von Motorsägen gestört. Der Taifun Trami, der unsere Gegend verschont hatte, hat dort ziemlich gewütet und große Bäume gefällt.




Nun verlasse ich das Gebiet des Schreins und lande in einem schönen Wohngebiet. Die Häuser stehen wie üblich dicht an dicht.



Bevor die Hauptstadt verlegt wurde, war dies der Familienschrein einer Familie Kamos, die die Gegend bewohnte.
Ich entdecke ein Plakat mit dem Hinweis auf eine sehenswerte Villa. Die gilt es aber noch zu finden. Zum Glück habe ich mich auf meine Nase verlassen und bin nicht dem Rat von 3 Leuten gefolgt, die mich in die falsche Richtung geschickt haben.
Bei dem letzten Tori in der Straße finde ich die gesuchte Villa.


Selbst die "Old Mitsu Family Shimagama Villa" ist ein Kulturerbe. Sie ist erst seit 2 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich.
Eine lange Familientradition mit ihrer ganzen Geschichte verbirgt sich hier.
Offenbar ist die weitläufige Familiendynastie weiterhin aktiv und mischt in vielen Wirtschaftsbereichen mit.
Auch hier hat der Taifun Zerstörung angerichtet. Beim Bäumefällen hat er keine Rücksicht auf das Dach eines kleinen Gartenhäuschens genommen. Einen Flügel des Eingangstores hat er auch aus den Angeln gehoben und herumgewirbelt.





Interessant ist das Badezimmer mit dem Holzzuber. In der Holzdecke befindet sich eine blumenförmige Aussparung zum Dampfabzug.




Die Villa selbst war zur Wochendenderholung der Familie bestimmt, die aus den verschiedenen Städten anreiste, um gemeinsam zu entspannen.
Ein sehenswertes Haus ist das, und es ist umgeben von einem ganz tollen kleinen Garten. Ein Wasserfall fehlt natürlich auch nicht.
Jetzt bekommt mein Hirn wieder was zu tun. Es gilt, die nächste Bushaltestelle zu finden. Dazu muss ich sogar Flüsse überqueren.



Mein letztes Ziel heute ist der Nishiki Market. Davon hat Christiane mir gestern schon vorgeschwärmt. Es ist ein ziemlicher Weg bis dahin, und ich bin eigentlich längst reif für ein Essen oder zumindest einen Kaffee.


Dann rette ich mich aber erst einmal über die Runden, indem ich mich bei den vielen Ständen bediene, an denen es etwas zum Probieren gibt. Später gönne ich mir einen Spieß mit Garnelen.


Am köstlichsten sind die Trockenfrüchte. Hier gibt es auch geröstete Esskastanien, die ich mir schon einmal unterwegs gekauft hatte. Sie sind erheblich größer als unsere und in einer stacheligen Hülle stecken gleich 3 auf einmal. Dazu bekommt man auch noch kostenlos Rote Bohnentee serviert.



Das Angebot ist äußerst vielfältig, aber für mich manchmal auch zum Stirnerunzeln.
Bei uns habe ich seit langer Zeit keinen Spatz mehr gesehen. Hier gibt es sie haufenweise.
Gebraten und auf dem Spieß. Aber es ist eben wie es ist...
Andere Länder, andere Sitten.


Eingelegt und damit konserviert wird offenbar alles was man essen kann.








Oben sieht man kleine aufgespießte Tintenfische und unten Minifischchen. Christiane meinte, es könnten Babysardinen sein. Es gibt sie jedenfalls eingefärbt in verschiedenen Farben, getrocknet, eingelegt und wahrscheinlich noch mehr Konservierungsarten. Gewürzt und getrocknet habe ich sie in rot, schwarz und weiß probiert. Kann man essen. Muss aber nicht sein.



Da um 5 die meisten Lokale hier auf dem Markt schließen und ich mittlerweile wirklich erledigt bin, kaufe ich mir noch ein Stück gebratenen Lachs, der sieht sehr appetitlich aus.
Aber das war ein großer Irrtum. Es war leider der bisher schlechteste Lachs meines Lebens. Voller Gräten, versalzen und strohtrocken.
Daraufhin habe ich mir ein braunes Eis gegönnt, um den unangenehmen Geschmack zu vertreiben. Gerösteter grüner Tee soll für die Farbe und den Geschmack verantwortlich sein.
Geschmeckt hat das jedenfalls super!
Vielleicht liegt das am beschützenden Schrein, der in den Markt integriert ist.





Die Suche nach der Bushaltestelle gleicht einer langen Runde im Irrgarten.
Die Straßen sind überfüllt, es stinkt nach Abgasen, 2x bekomme ich eine falsche Auskunft, bis ich endlich sogar noch einen Sitzplatz ergattern kann.
Christiane ist von ihre Erlebnissen genauso erledigt wie ich. Vielleicht liegt es am Wetter. Es zieht ja schon wieder ein Taifun herauf, aber wahrscheinlich nicht direkt uns zu.
Jetzt heißt es: Koffer packen für Naoshima,




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